"Srce umije da razgovara sa vama"

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jovana

Naša "YU ROKERKA"

 

Rade Šerbedžija & YU Rock Night

 
 
Musik in Zürich
Luft für die Poren des Geistes

 

In Hollywood ist Rade Šerbedžija ein bekannter Nebendarsteller. Doch für einen Verein in Zürich ist er eine Symbolfigur für das Jugoslawien vor dem Krieg.
In Filmen spielt Rade Šerbedžija in düsteren Rollen den klischierten Osteuropäer, er hat aber auch eine poetische Ader, wie sich in Zürich zeigt.

In Filmen spielt Rade Šerbedžija in düsteren Rollen den klischierten Osteuropäer, er hat aber auch eine poetische Ader, wie sich in Zürich zeigt.

 
 
 

Rade Šerbedžija ist am Samstagnachmittag aus Zagreb kommend in Zürich angekommen. Der 68-Jährige ist ein bekannter Nebendarsteller in Hollywood. Er spielt oft den klischierten Osteuropäer in düsteren Rollen: den sowjetischen General, den rachsüchtigen albanischen Vater – und im Gangsterfilm «Snatch» ballert er als Ex-KGB-Agent und Waffenhändler mit einer Kalaschnikow um sich.

Nach Zürich eingeladen wurde er jedoch als poetischer Sänger. Das Bernhard-Theater, wo Šerbedžija am Samstagabend mit seiner Band auftrat, war bereits früh ausverkauft. Zur Musik kam er über die Flucht: 1992 verliess der Schauspieler Jugoslawien und nahm englischsprachige Rollen an. Er habe damals seine eigene Sprache vermisst, sagt er im Gespräch, deswegen habe er begonnen, Lieder zu schreiben. Neben ihm am Tisch sitzt Bojana Kissling. Sie hat den Auftritt von Šerbedžija organisiert. Als der Sänger endlich zusagte, habe sie am Telefon geweint, erzählt sie – fünf Jahre lang hat sie versucht, ihn in die Schweiz zu bringen.

Für Kissling ist Šerbedžija ein Symbol für das Jugoslawien vor dem Krieg. Šerbedžija ist stets Kosmopolit geblieben. Grenzen interessieren ihn wenig – heute lebt er in Rijeka, das seit jeher als sehr offen gilt, und betreibt auf der Insel Brijuni ein Theater mit dem Namen «Ulysses»: Er habe sich, so Šerbedžija, bei seiner Rückkehr selbst wie der Heimkehrer Odysseus gefühlt.

«Jugo-Nostalgikerin»

Kissling hat bis 1996 in Jugoslawien gelebt, über jene Grenzen hinweg, die erst im Nachhinein so bedeutsam geworden sind: In Bosnien wurde sie geboren, in Kroatien ging sie ans Gymnasium und in Serbien an die Universität. Die Frage, woher sie denn genau komme, interessiert sie wenig, sie vermeidet die klaren Zuschreibungen. Wie Šerbedžija bezeichnet sie sich als «Jugo-Nostalgikerin». Davon ist auch ihre Tätigkeit als Konzertorganisatorin geprägt, die sie in Zürich seit 2009 verfolgt. Eingeladen werden jugoslawische Grössen der 1980er Jahre, aber auch Exponenten einer jüngeren, weltoffenen Szene in Ex-Jugoslawien. Letzten Februar hat sie mit Freunden den Verein Yu Rock Night gegründet. Oft finden ihre Anlässe im Marquee-Club statt. Mit Šerbedžija wollte der Verein jedoch eine breitere Öffentlichkeit ansprechen: «Yu» versteht Kissling als Bekenntnis zu einer Welt, in der nationale Grenzen, sei es in Ex-Jugoslawien oder sonst wo, keine grosse Rolle spielen.

Die Konzerte organisiert Kissling neben ihrer Arbeit als Rhythmuslehrerin für Kinder. Die Konzerte seien für viele wie kurze Schlupflöcher, raus aus dem Alltag: Hier könne Luft in die Poren des Geistes strömen, schwärmt sie. Viel Gage kann sie den Musikern nicht bezahlen. Dafür zeigt sie ihnen die Stadt und bringt sie dazu, Zürcher Geschnetzeltes mit Rösti zu essen. Manchmal, wenn das Budget stimmt, schenkt sie ihnen noch ein Sackmesser, immer aber Schokolade. Man müsse «Kulturen mischen». Denn nicht, «was man ist, sondern was man gibt», sei wichtig.